Idiotische Heizungen
Eingetragen von mir selbst. | 16 Oktober, 2005 - 18:46 Humor | Technik | WeltgeschehenEs gibt eine Menge schwachsinniger Produkte auf dem Markt. Zum Beispiel elektrische Heizungen bzw. Heizlüfter, die man sich - laut den z.T. irreführenden Werbeprospekten der Hersteller - in die Wohnung stellen soll, um a) "Geld zu sparen" und b) "nicht so viel Energie zu verschwenden".
Sehen wir uns das doch einmal aus der Nähe an: Woher kommt denn der Heizstrom?
Der kommt aus einem Kraftwerk. Dort wird Kohle, Gas oder Uran stark erhitzt (Heizung!) und damit Wasser unter Hochdruck in Wasserdampf verwandelt, um eine Turbine anzutreiben. Die Turbine und die Umgebungen des Kraftwerks werden durch Kühlwasser gekühlt (Verluste!). Diese Turbine dreht einen Generator (mechanische Verluste, elektrische Verluste), dieser erzeugt dann Strom.
Vom Brennstoff zum Strom geben die meisten Kraftwerke eine Effizienz von 40-65% an, wobei letzteres schon verdammt gut ist. D.h. man hat schon mal 35-60% Verluste durch die Umwandlung in Strom im Kraftwerk, die die beteiligten Geräte heiss werden lassen und wegen derer die Kühlung nötig ist.
Für den (idealen) Fall, daß diese elektrische Energie sofort benötigt wird und nicht erst in einem Pumpspeicherwerk (durch erneute Umwandlung in potenzielle Energie, und Rückumwandlung, ca. 20-30% Verlust) oder ähnlichem zur Abdeckung von Stosszeiten landet, wird sie für die Übertragung über Landstrecken hochtransformiert (Trafo-Verluste!), um die elektrischen Verluste (schon wieder!) der Leitungen zu minimieren (ca 0,5 bis 6%), und wahrscheinlich sogar mehrfach in Verteilerwerken wieder umtransformiert, bis sie wieder runtertransformiert wird (wieder Verluste) und dann im Haushalt landet.
Und da wird das, was dann noch übrig geblieben ist, in einem dicken Widerstand entgültig verbrannt.
Also kurzgefasst: Das E-Werk wandelt Gas in Hitze um, kocht damit Wasser, erzeugt damit Bewegung, und damit dann Elektrizitiät, und versucht in jedem dieser Umwandlungsschritte die Wärmeverluste so niedrig wie möglich zu halten, nur damit die Restenergie dann komplett in Wärme verwandelt wird. Wenn man die typischen Verluste dieser Übertragungskette zusammenrechnet, bleiben von der Energie, die das Gas im Kraftwerk hätte liefern können, dann noch 20-30% zum Heizen übrig. Die übrigen Anteile heizen den Fluss am Kraftwerk, die Hochspannungsmasten und die Umspannungswerke.
Was für eine Verschwendung! Wäre es da nicht viel praktischer, effizienter und vor allem billiger, wenn man stattdessen das Gas direkt zum Kunden leitet? Wieviel Verluste entstehen denn in einer üblichen Gasleitung? Keine. (mal davon ausgegangen, daß es kein Leck gibt, und die paar Moleküle, die durch das Rohr diffundieren, mal vernachlässigt). Und wieviel Wärmeverluste entstehen dabei? Keine, denn die Wärme ist hier ja das gewollte Produkt!
Also. Komm mir bitte keiner mehr mit dem Hirngespinst, daß eine elektrische Heizung "billiger" oder "effizienter" ist. Das dauert noch etwas, bis Gas so teuer ist, daß man es sich nicht mal mehr zum Heizen leisten kann; und das Märchen der "sparsamen" Elektroheizung ist Schwachsinn, denn eine E-Heizung wandelt immer exakt soviel elektrische Energie in Wärme um, wie sie aus der Leitung bekommt.

